Berufsbild

BERUFSBILD ATEMPÄDAGOGIK/ATEMTHERAPIE

„Der Geist weht wo er will… Der Atem kann nicht gewollt werden und er verträgt nicht, in Schemata und Konzepte eingespannt zu werden. Er ist das Freieste auf der Welt. Aber er ist nicht beliebig, er hat sein Gesetz. Dahin vorzudringen, es zu erkennen und es unseren Schülern und Patienten nahezubringen, da liegt unsere Aufgabe.“ Herta Richter

IN EINER ZEIT
in der viele vor allem im Außen und in der Zerstreuung und damit einer Trennung von sich selbst leben, die die Würde des Menschen bedroht und zu vielfältigen körperlichen und seelischen Störungen führt, laden Atemtherapeutinnen/Atempädagoginnen zu einen Weg ein, der den Menschen schult zu seinem Selbst und Wesen zurückzufinden und wieder in Einklang mit sich und einem geordneten Ganzen zu kommen. Sie setzen ein ganzheitliches Menschenbild voraus, das die leiblich-geistig-seelische, sowie soziale Dimension umfasst.

METHODE

Das Wesentliche auf diesem Weg ist die Hingabe an das Atemgeschehen, ist ein Sich-zur-Verfügung-Stellen von Atemlehrerin und Atemschülerin, das sich immer neu von der Kraft des Atems beschenken und berühren lässt.

Aus dieser zentralen „Methode“ nährt sich alle weitere Methodik der Arbeit mit dem Atem:

die Schulung der Empfindungsfähigkeit, das Zulassen des Atemflusses und seiner Wahrnehmung,
die Arbeit mit Dehnungen, Druck, Bewegung, Bearbeitung von Lebensthemen wie das eigene Maß, die Mitte, die Basis, der Stand …die sich im Üben zeigen.
Die Arbeit ist in erster Linie ressourcenorientiert und zielt immer vor allem auf das Ganze des Menschen. Dabei werden eine Reihe von Arbeitsfelder angesprochen:
die Förderung der Eigenverantwortlichkeit über Körperspürarbeit, Tonusregulation, Verbesserung des Ausdrucks und der eigenen Gestaltungsmöglichkeiten, Kräftigung der Atemorgane und – muskulatur, Steigerung der Stressbewältigungsfähigkeit, Stärkung der Ich-Kompetenz, Anregung der Selbstheilungskräfte und vieles mehr.

Das geschieht in den folgenden möglichen Settings:

Einzelarbeit
Atembehandlung
Atemmassage

Gruppenarbeit
Arbeit am Körper
Arbeit an der Stimme

Gemeinsame Gespräche

BERUFLICHE FELDER

Atemtherapeutinnen/-pädagoginnen arbeiten
je nach Grund-bzw. Weiterqualifikation in einem weiten Spektrum von Aufgaben:

Im Bereich der Pädagogik
Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheitserziehung, Prophylaxe, 
Psychosomatische Störungen
bei psychovegetativen Spannungs-und Erschöpfungszuständen, Schlafstörungen
bei Rehabilitationsmaßnahmen
Schwangerschaftsbegleitung

Im Bereich der Seelsorge
bei Lebenskrisen, der Suche nach Sinn,
Sterbebegleitung
Hinführung zur Meditation

Im Bereich der Psychotherapie ist sie
unterstützend bei psychosomatischen Beschwerden (Schlaflosigkeit, allg. Unruhezustände)
begleitend bei frühen Störungen mit Ursprung im vorsprachlichen Bereich wie Essstörungen, Borderline, bei Zwängen, Phobien, Ängsten, depressive, hystrionische Fehlhaltungen bis zu mittleren Schweregraden,
Trauer-, und Trennungsbegleitung
Rehabilitation von Patienten nach erfolgter psychiatrischer Behandlung

Im klinischen Bereich
bei Atemwegserkrankungen (Asthma / COPD / Lungenemphysem u.a.)
Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen
Rheuma Patienten
Koma-Patienten
Kindern und Jugendlichen z.B. Hyperaktivität

Atemtherapie ist sinnvoll bei allen Menschen, die auf der Suche nach der eigenen „Mitte“ sind.
Sie verbessert die Körperhaltung, die Beweglichkeit, das Koordinationsvermögen.

AUSÜBUNGSFORMEN

Selbständige Tätigkeit
– in eigener Praxis oder Praxisgmeinschaft

Honorartätigkeit
– an Volkshochschulen, in der Erwachsenenbildung, bei kirchlichen und sozialen Einrichtungen,
– bei Selbsthilfegruppen, Altenheimen, Musikschulen…

Tätigkeiten in Angestelltenverhältnissen
– in psychosomatischen Kliniken,
– in Sanatorien
– im Rahmen von pädagogischen, therapeutischen und seelsorglichen Berufen

 von Mareile Hartl für das Atemhaus

Quellen:
Berufsbild: AFA
Herta Richter: Vom Wesen des Atems
Herta Richter: Gedanken zur Ausbildung